Von den Bergen der Hohburger Schweiz in Sachsen, zu den Ufern der Ostsee.
Über Parow bei Stralsund, Peenemünde zum ÜSH Rostock !
Tiertransport von Ostafrika nach Hamburg mit dem DSR Motorschiff MS"Vogtland"
Eine besondere Überraschung gab es in Mombasa für die Rückreise im April 1969 nach Europa.
Als Teil der Rückladung sollten gefangene wilde Tiere nach Hamburg verschifft und dann über
die Elbe mittels Binnenschiff nach Dvur Kralove nad Laben (Königinghof an der Elbe)
transportiert werden. Heute ist der Zoo Dvur Kralove einer der größten in Europa.
Er beherbergt 290 Tierarten sowie ein Safariemuseum.
Aber nun der Reihe nach, denn es ist nicht mehr so einfach sich nach rund 41 Jahren an alles zu
erinnern. Die Tiere (Giraffen, versch. Arten Antilopen, Zebras, Gnus uvm.) wurden in Uganda ge-
fangen und dort in Transportkäfige aus Holz verbracht. Auf mehreren Waggons der Eisenbahn
kamen sie in den Hafen von Mombasa, direkt zum Pier, zum Schiff.
Angemerkt sei, daß diese Tiere unter der Leitung von Prof. Josef Wagner und seinen Mitarbeitern
in Uganda selbst eingefangen wurden und natürlich mit der weiteren Hilfe ugandischer Wildhüter.
Prof. Wagner war zu dieser Zeit in der ehemal. CSSR Zoodirektor und in Begriff im Nordosten
seines Landes, in der Nähe von Trutnow ein Freigehege für wilde, afrikanische Tiere einzurichten.
Die Tiere in Ihren Kisten wurden in Absprache mit der Bordbesatzung und dem Prof. an ihren
jeweiligen Platz an Oberdeck (Hauptdeck) bzw. auf die Luken des Schiffes vorn und achtern
seemännisch verstaut. Weiterhin wurde für die Überfahrt div. Futter, Streue, Wasser uvm.
übernommen und verstaut.
Als Passagiere fuhren nebst Prof. noch die Ehefrau und ein Tierpfleger mit. Den Rest der Tier-
betreuung übernahm dann in Absprache die Besatzung.
Bei dem Transport von Uganda nach Mombasa hatte sich ein Zebra am Auge ziehmlich schwer
verletzt. Es mußte deshalb regelmäßig mit Antibiotika behandelt werden. Wir gaben ihn den
Namen "Bobby". Weiterhin waren noch 2 Antilopen verletzt worden, wo der Prof. seine Be-
denken zwecks Überleben, äußerte !
Endlich ging es heimwärts, wir verließen das gelobte Mombasa Richtung Kap.Da das Antibiotika
zur Neige ging, lief das Schiff Kapstadt an. Hier wurde auch nochmals Futter
Wasser, Proviant und noch etliche andere Dinge mehr, nachgebunkert.
Kapstadt war natürlich der Hammer für uns DDR Seeleute, denn wer kam schon zu dieser Zeit
nach Südafrika, außer bei wichtigen oder notwendigen Notreparaturen.
Ich kann mich nur noch erinnern, daß ein Teil der Besatzung auf dem Tafelberg war.
Mir ist noch vom Landgang her in Erinnerung, daß durch die damalige Apartheit zu dieser
Zeit rassistische Trennungen in Dienstleistungsbereichen (separate Eingänge in öffentl. Gebäu-
den, Toiletten, Restaurants uvm.), getrennte Einstiege in Bussen, getrennte Strände usw., bestanden. Sie
waren durch Schilder wie, für withes(blankes) und non-whites(nie-blankes) in engl.
und afrikaans gekennzeichnet. Desgleichen stand dieses auch auf den öfftl. Parkbänken.
Für mich jedenfalls zu damaliger Zeit, wie vielleicht auch für viele andere, völlig unbegreiflich,
kamen wir doch aus einer ganz anderen Welt.
Nachdem wir in Kapstadt alles zur vollsten Zufriedenheit erhalten und gebunkert hatten, ging
es dem Wetter entsprechend, volle Kraft voraus Kurs Hamburg.
Seit Ablaufen Mombasa bis Kapstadt und auch nach Kapstadt im Atlantik hatten wir erhöhten
Seegang mit überkommender See. Das Problem war ja, daß die Käfige mit den Tieren zum Teil
auf dem Hauptdeck verstaut waren. Bei der überkommenden See standen folglich die armen
Tiere in ihren Käfigen bis zu den Bäuchen im Seewasser. Der Nachteil dieser Seewasserspülun-
gen waren, daß die Streue (Mist) aus den Käfigen gespült und sich über das Hauptdeck verteilte.
Man kann sich vielleicht vorstellen was nun herumschwappte, Mist, Jauche und nicht vergessen
die Gerüche dabei !!! Die Futterkisten und Wassereimer mußten in den einzelnen Käfigen er-
höht angebracht werden. Es war keine leichte Arbeit für die Besatzung, bei diesen unwirtlichen
Wetter die Tiere ordenlich und regelmäßig zu versorgen!
Belustigend war anzusehen, wie die Giraffen von den Aufbauten der Vorkannte, daß vom See-
wasser hinterbliebene Salz, ableckten. Man sah deutlich die helleren Stellen an der Vorkannte,
wo das Salz abgeleckt wurde. Zum Farbe waschen wären die Giraffen gut geeignet gewesen.
Leider mußten wir uns kurz nach Kapstadt von 3 Tieren verabschieden. Einmal von "Bobby"
dem Zebra mit dem verletzten Auge und von 2 Antilopen. Beiden Antilopen wurde noch das Gehörn
vom Prof. abgesägt. Mit dem Ladebaum wurden die toten Tiere in den jeweiligen Abständen
ihres Verendens in ihren Kisten außenbords gehievt und dann gekappt. Mit Anteilnahme verfolgte
die Besatzung diese 3 Zeremonien der Verabschiedung der uns fast vertrauten Tiere.
Ohne weitere Vorfälle ging es weiter Kurs Nord. Genau kann ich es heute nicht mehr sagen, ob wir zum
Nachbunkern von Wasser, Futter, Treibstoff und Proviant, Dakar oder Las Palmas anliefen ?
Am 08.Mai liefen wir endlich in den Hamburger Hafen ein, gut für die Tiere, hatten sie doch bei
schwerer See allerhand erleiden müssen und viel zu oft ihre Hufe vor dem Seewasser heben müssen.
Am 09.Mai kamen Leute von der einer Zeitung an Bord und machten Fotos, sie interviewten
auch den Prof. Wagner. Später konnte man dann in der Zeitung lesen und sehen: 1 großes Foto
von einer Giraffe mit der Zunge in der Nase und 1 Foto mit Prof. Wagner an Deck zwischen den
Tiertransportkisten mit den Giraffen. Nun das Zitat dazu: "Vom Fotografieren scheint Candy, die
afrikanische Giraffe, nicht viel zu halten. Gerade in dem Augenblick, als es klick machte, steckte
sie die Zunge in ein Nasenloch. Erst als der Tierpfleger rief: "Nimm die Zunge aus der Nase",
benahm sich Candy wieder anständig. Sie kam gestern mit 27 Artgenossen und anderen afri-
kanischen Tieren mit dem Zonenfrachter "Vogtland" in Hamburg an. Zoodirektor Josef Wagner
hat sie in viereinhalb Monaten gefangen. Die Tiere wurden auf ein Elbschiff verladen. Reiseziel
ist der Zoo in Dvar Kravole (Tschechoslowakei). Ende des Zitates aus der Zeitung.
Gesagt werden muß, das ein guter Bekannter, ein ehemaliger Hafenbarkassenrundfahrt Fotograf
von Brücke 3 der Landungsbrücken, mir beim späteren Wiedersehen diesen Zeitungsausschnitt
überreicht hat. Diesen Zeitungsausschnitt habe ich heute noch im Besitz.
An diese Reise denke ich heute noch sehr gern zurück, war es doch mal eine etwas andere, eine
abwechslungsreichere Rückreise.
Vielleicht lesen es ehemalige Besatzungsmitglieder die damals mit dabei waren und erinnern sich
auch gern zurück.
Klaus Döbler, damaliger II. TO
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