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Saturday, 17. August 2019
   
Siegfried Hellwig

 
Gefangen im Bittersee - 01/01/2011 18:45 Maschinen Stopp,
hieß es im Sommer1967 für einen internationalen Konvoi von 14 Handelsschiffen.

Über die Köpfe der Seeleute hinweg donnerten Granaten, Raketen und Kampfflugzeuge. Die Frachter aus Ost und West – darunter die Deutschen Schiffe
„ Münsterland „ von der HAPAG Lloyd und „ Nordwind „ von der Reederei Mackprang jr.
aus Hamburg – gerieten zufällig zwischen die Fronten des israelisch- arabischen „ Sechs-Tage-Krieges.“ Nach einer Woche waren die Kämpfe beendet. Die Seeleute hofften nun auf eine baldige Rückkehr nach Hause. Doch der Stopp auf dem Großen Bittersee, in der Mitte des Suezkanals, sollte insgesamt acht Jahre dauern. Um sie herum tobte ein Stellvertreterkrieg zwischen den Blöcken. Israel wurde von den USA unterstützt, Ägypten von der Sowjetunion.
Doch auf den Schiffen gab es keine ideologisch- politischen Schranken. In der Notsituation verstanden sich die Crews aus dem Westen - Deutsche, Amerikaner, Briten und Franzosen –
mit ihren Kollegen aus Polen, Bulgarien und der Tschechoslowakei. Jeder half jedem. Und die blockübergreifende Ost-West- Notgemeinschaft bezeichnete sich selbst als die „ kleine UNO im Bittersee.“ Zwischen endlosen Warten, auf das die Seefahrer mit großer Kreativität reagierten, bis zum dramatischen Erleben des Kriegsgrauens pendeln die spannenden Geschichten der Zeitzeugen. Inmitten des Nahostkonflikts überstanden sie auch den „ Jom-Kippur-Krieg“. Nach dem Friedensschluss zwischen Ägypten und Israel und der Räumung des Suezkanals ging es nach genau 3016 Tagen Zwangsankern wieder los. Im Mai 1975 kehrten die beiden deutschen Frachter in ihren Heimathafen Hamburg zurück. Die „ Münsterland“ hatte die längste verbürgte Reise in der Geschichte der Seefahrt hinter sich: acht Jahre, drei Monate und vier Tage.
Über dieses Ereignis und von der Situation in der sich die Seeleute damals befanden, berichtet der Fernsehfilm „ Gefangen im Bittersee“ von Jens Arndt und Fayd Jungnickel, der am
31. März 2010 um 20:15 Uhr auf dem Sender ARTE ausgestrahlt wird.
Siegfried Hellwig, der am 17. März nach Hamburg ins HAPAG Haus zur Premiere des Films eingeladen worden war, fand den Film sehr gut. Zu mal der Film die damaligen Verhältnisse gekonnt darstellt. Viele ältere Leser unserer Zeitung erinnern sich vielleicht noch an die damaligen Zeitungsberichte und Sendungen in den Fernsehnachrichten. Aber auch für die jüngere Generation, die von diesem Ereignis nie etwas gehört hat, ist dieser Film sehr aufschlussreich.
Was hat S. Hellwig mit diesem Film zu schaffen?
S. Hellwig ist von 1963 bis 1965 bei der Reederei Mackprang jr., Hamburg, als Ing.-Assi auf den Schiffen MS Nordstern und MS Nordwind beschäftigt gewesen. Nach seinem Ausscheiden aus dem seemännischen Dienst, nahm er wieder seine alte Tätigkeit an Land auf und verdrängte seine Träume von der Seefahrt. Bis ihn 1997 ein Anruf wieder an seine Seefahrtszeit erinnerte. Sein damaliger Kollege und Freund Michael Martinek, hatte seine Doppel-Acht- und Super Acht-Schmalfilme auf Video projektiert. Kopien dieser Filme, die an beider Seefahrtszeit erinnerte, schenkte er ihm. Als Gegenleistung wünschte er sich ein Wiedersehen mit den alten Kollegen der Nordwind. „Im Jahre 1999 habe ich den Wunsch entsprochen und mich auf die Suche nach meinen alten Seefahrtskollegen gemacht.

Dieser Prozess hat fast zwei Jahre gedauert. Die lange Sucherei hat sich aber gelohnt. Zu unserem 1.ten Nordwindtreffen 2001 in Bremerhaven waren 31 ehemalige Kollegen und 10 Ehefrauen an „ Bord“.

Die Suche war damit aber noch nicht beendet. Durch gesammelte Zeitungsaus-
schnitte über die Ereignisse im Suezkanal, tauchten neue Namen von ehemaligen Seeleuten auf, die auf der Nordwind im Großen Bittersee während der achtjährigen Liegezeit, ihren Dienst verrichteten. Diese wurden nun angeschrieben und zum jährlichen Nordwindtreffen eingeladen. Mittlerweile stellen die Bitterseebesatzungen einfünftel der ehemaligen Nordwindfahrer. In diesem Jahr zum 10.ten Jahrestreffen werden in Bremerhaven vom
05. September bis 08. September 2010, ca. 50 Personen erwartet.
Aber was hat das Ganze mit dem Film zu tun?
Als Jens Arndt, der Macher des Films bei der Reederei Mackprang jr. vorstellig wurde und nach Informationen für seinen Film nachfragte, wurde er an Siegfried Hellwig verwiesen:
„ Sprechen Sie mal mit ihm, der hat alles.“
Anfang 2009 rief mich Jens Arndt an und fragte, ob ich auch im Bittersee auf dem Motorschiff Nordwind tätig war? Dies musste ich verneinen. Aber mit Leuten, die im Bittersee auf dem Schiff Dienst gemacht hatten, habe ich sehr guten Kontakt durch unsere gemeinsamen Treffen. So kam J. Arndt, nachdem er schon Kontakte zur HAPAG hergestellt hatte, durch mich auch an ehemalige Nordwindfahrer. Was für das Filmteam schon ein Glücksfall war.
Peter Erdmann hatte noch altes Filmmaterial aus seiner Bitterseezeit, so auch Uwe Carsten, der auch im Film zu Wort kommt, wie Josef Gattermayr aus Österreich, der im Interwiev von den schrecklichen Ereignissen berichtete und Bildmaterial beisteuerte.
Als 1968 die Welt die Olympischen Spiele in Mexico ausrichtete, richteten die Besatzungen der 14 Schiffe im Großen Bittersee ihre eigene Olympiade aus. Außerdem gründete sich eine der kuriosesten internationalen Vereinigung, die Great Bitter Lake Association, kurz GBLA
genannt. Von Weihnachtsfesten unter glühend heißen Himmel und von der tollen Kameradschaft mit den Besatzungsmitglieder n von den Schiffen, der unterschiedlichsten Nationen wird berichtet.
Dann endlich nach achtjähriger Gefangenschaft kamen die Schiffe frei. Beide deutschen Schiffe, Nordwind und Münsterland konnten als einzige Schiffe aus eigener Kraft ihr Gefängnis im Bittersee verlassen.
Nordwind Käpitän Peter Leder meldete am 8.Mai 1975 in einem Seefunkgesprech über Radio Norddeich „ Die Maschinen beider Schiffe arbeiten störungsfrei. Nach kurzen Probeläufen hätten die Schiffe Donnerstag Port Said verlassen und befänden sich jetzt auf zügiger Fahrt in Richtung Heimathafen.
Am 24. Mai 1975 erreichten beide Schiffe ohne Zwischenfall ihren Heimathafen Hamburg, wo sie von hunderttausend begeisterten Menschen entlang der Elbe, begrüßt und empfangen wurden.
Für die beiden Schiffe Nordwind und Münsterland endet nach 3014 bzw.3016 Tagen, die längste Seereise der Welt.
Anmerkung von S.Hellwig, ein Nachbau des Motorschiffs Nordwind im Modell 1:100 entsteht zur Zeit in einer „Ahlener- Vorhelmer – Modellbauwerft .,“ und soll Ostern 2011 auf dem Ahlener Langstteich seine Jungfernfahrt machen und die Schiffstaufe erhalten.
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